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MENSCHLICHES NETZWERK
Auf dem Boden liegende Menschen berühren sich und bilden dadurch ein "menschliches Netz". Ich beschäftige mich mit den “Negativ-Räumen”, die zwischen den sich berührenden Menschen entstehen.
Diesen Negativraum, das Körperlose,
stelle ich dar.
Er wird auf blaues Acrylglas
übertragen und als Pattern
(Pattern = Zeichen / Muster)
bezeichnet.







Als von lebensgroßen,
menschlichen Konturen umgebene
Fläche steht das Pattern für all das, was
zwischen Menschen möglich ist, im
wörtlichen wie im übertragenen Sinn:
Verbundenheit, Nähe,
Intimität...aber auch 
Abneigung, Distanz...
Durch das Zeigen von mehreren Patterns werden die Konturen einzelner Menschen und ansatzweise das Ursprüngliche "Menschliche Netz" wieder sichtbar.

RÄUMLICHES NETZWERK
In Kassel beginnend setze ich “blaue Zeichen” aus Glas. Das heißt, ich lasse Patterns dauerhaft in eine Wand oder Hausfassade ein. Es kann sich hierbei nur um öffentliche - für die Öffentlichkeit sichtbare -  Orte handeln. Durch das Hinzukommen von immer neuen Orten mit immer neuen Patterns entsteht ein Netzwerk:
Patterns that connect. Die blauen Patterns repräsentieren das Ge-meinsame und Verbindende.

Patterns verweisen auf Orte der Begegnung oder Orte des Miteinanders. Es sind  Orte, an denen der zwischenmenschliche Umgang eine besondere Bedeutung  erfährt.

So stehen die 2003 realisierten Patterns für das Zwischenmenschliche der Lebensgemeinschaft -Genossenschaft Gemeinsam Leben, Kassel. Neben der gemeinsamen Finanzierung des Alltags wird im sozialen Miteinander viel Wert auf Austausch, Transparenz und Wertschätz-ung gelegt.

Andere denkbare Orte für Patterns that connect wären: soziale Treffpunkte, öffentliche Plätze (z.B. Marktplatz , Bahnhof), Unterneh-men / Firmen, die sich als Teil einer Gemein-schaft ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind.

Die in Frage kommenden Orte sind so unterschiedlich wie die Menschen, die dort leben oder verkehren. Patterns that connect will diese Unterschiede aufzeigen und in Beziehung zueinander stellen.

Das dadurch enstehende Netz verschieden gefüllter zwischenmenschlicher Räume steht für Vielfalt und Miteinander.

Patterns that connect - eine Verbindung von Menschen und Orten.                                   (Lutz Kirchner, 2003)
                                                                                                                  

ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Während meines Auslandsaufenthaltes in Holland habe ich über meine Lebenspartnerin einen älteren Herrn, R. Glazener, kennengelernt:

„....Ich mußte damals, im Juli 1943, untertauchen, denn sowohl als Student wie als ex-Soldat wurde ich gesucht von den Nazi-behörden für den Arbeitseinsatz in Deutschland. Via via wurde ich an einem gewissen Morgen zu den zwei Damen: Hillegje und Zwaantje, gebracht, die mir ohne jeglicher Formalität ein Dachzimmer in ihrem Haus zur Verfügung stellten. ...“(Brief vom 23.2.1999)

Meine handwerkliche Ausbildung als Steinbildhauer und mein Kunststudium in Amsterdam regten Herrn Glazener an, mich nach einem Denkmal - einem Dankeschön - für Hillegje und Zwaantje zu fragen.
Gerührt und fasziniert von den Gesprächen mit Herrn Glazener schlug ich ihm eine inhaltliche Auseinandersetzung vor, an deren Ende ein Denkmal oder ein Dankeschön stehen könnte.

Der Glaube und das Christentum waren die bestimmenden Themen der ersten Briefwechsel. Hillegje und Zwaantje handelten im Vertrauen auf Gott, als sie damals, im Juli 1943 Herrn Glazener versteckten. Auch Herr Glazener ist ein aktiver und bekennender Christ.
Während dieser Briefwechsel erinnerte ich mich immer wieder an einen „family tree“, den ich in Kenia gesehen habe. Ein „family tree“ ist eine Skulptur aus einem Stück Holz oder einem Stein. Diese Skulptur besteht aus vielen aneinander geschnitzten Figuren, die sich gegenseitig festhalten und eine Menschenpyramide bilden. Der „family tree“ steht für die Familie der Menschen.[1]

Aus dieser Idee habe ich das Projekt Patterns that connect entwickelt.

Meine Idee für ein Denkmal für Hillegje und Zwaantje ist die Integration zweier Patterns in den Ort, an dem Herr Glazener von Hillegje und Zwaantje versteckt wurde.

                                                                                           (Lutz Kirchner, 2001)


[1] vgl. Schuster / Carpenter 1996: 83